Viel Bier trinkende Lottospieler
Es darf ja mal geträumt werden … vom Reichtum, ohne sich dafür krumm gemacht zu haben.
Verstorbene Verwandte sind eher selten eine Ursache für Vermögen ohne Arbeit.
Aber es gibt Alternativen – zum Beispiel den Eurojackpot. Nächsten Dienstag im Jackpot: 87 Millionen, es waren aber auch schon einmal 120 Millionen Euro.
Das gibt es aber nicht ganz umsonst:
- Ein Tippfeld mit 5 Zahlen und 2 Eurozahlen kostet 2 € zuzüglich der jeweiligen Bearbeitungsgebühr der Landeslotteriegesellschaft pro Spielschein
verlautbaren die Spielregeln auf Lotto.de. Die befragte KI teilt mir auf meine Frage mit:
- Der Mindesteinsatz liegt bei 4 € pro Woche (1 Tipp je Ziehung × 2 Ziehungen), ein typischer Gelegenheitsspieler dürfte irgendwo zwischen 4 und 20 € landen.
Wenn ich hier von durchschnittlich 12 Euro pro Tippschein ausgehe, werde ich wohl nicht daneben liegen. 12 Euro zahle ich auch bei meinem Lieblings-Asiaten für ein gesundes Business-Lunch und bin danach angenehm satt.
Welche Leistung bekommt der Lottospieler? Für den Einsatz dieser 12 Euro erkauft er sich die Chance, 80 bis 120 Millionen Euro auf sein Konto zu bekommen. Das scheint im Dunkeln betrachtet ein faires Angebot zu sein.
Aber schauen wir uns das mal bei Lichte an.

Die Lottospielanbieter geben (weil es gesetzlich vorgeschrieben ist) kleingedruckt die Chance an, verrückt viel Geld zu bekommen:
1 : 140 Millionen.
Was bedeutet das?
Eine Bierdose dürfte jeder Glücksspieler schon mal gesehen haben. Die hat einen Durchmesser von 66 mm. Angenommen, ein sehr durstiger Mensch trinkt 140 Millionen Dosen Bier; nur die letzte schafft er nicht mehr, sie bleibt fast ganz voll.
Wenn er jetzt diese Dosen in einer Reihe aufstellt, die erste am Neuköllner Hermannplatz, dann steht die letzte irgendwo zwischen Bangkok und Singapur (66 mm x 140 Mio = 9.240 km).

Wenn er jetzt wieder Durst bekommt und die noch fast volle Dose sucht, die er irgendwo zwischen Neukölln und Singapur hingestellt hat, aber nicht mehr weiß, wo genau: Wie groß wird seine Chance sein, sie wiederzufinden?
Ich kann es Euch ganz genau sagen: Die Chance ist exakt so groß, wie für den Einsatz in Höhe von 12 Euro den Gewinn 87 Millionen Euro zu bekommen.
Die Idee, 12 Euro für ein Mittagessen auszugeben oder auch in einen Kreuzberger Gulli zu werfen, erscheint mir deutlich sinnvoller zu sein, als diesen Betrag zu einer Lotto-Annahmestelle zu tragen.
Um doch noch die Kurve ins Strafrecht zu bekommen:
Die Behauptung, es bestehe die Möglichkeit, sich für den Einsatz eines geringen Betrags die Chance auf verrückt viel Geld erkaufen zu können, ist wohl nur deswegen keine Täuschung über Tatsachen (§ 263 StGB), weil die Landeslotteriegesellschaften staatliche Unternehmen sind. Und das können per definitionem keine Betrüger sein. Oder?
9 Kommentare
Lotto ist eine Steuer auf Leute, die schlecht in Mathe sind. Wusste schon Ambrose Bierce im 19. Jahrhundert.
@Gerd: Genau das hab ich einem Lotterie-Verkäufer mal an den Kopf geknallt, als der mir am Postschalter(!) irgendwelchen Lotto-Sch…ß verkaufen wollte. Hat ihn komplett aus der Spur geworfen, und unmittelbar zur Einsicht geführt, dass ich kein Lotto-Opfer werde.
Wenn 140 Millionen Bierdosen hintereinander von Berlin-Neukölln bis irgendwo zwischen Bangkok und Singapur reichen, dann entspricht dieselbe Strecke ungefähr 23,1 Millionen Rinderfilets oder 108,7 Millionen Austern.
Anders gesagt: Der Mann hat nicht nur Bier getrunken — er hat logistisch betrachtet eine Fleischtheke von Berlin bis Südostasien und eine Austernbar mit dreistelliger Millionenbestückung eröffnet. Die letzte Dose war dann vermutlich nicht mehr das Problem, sondern die Beilage.
Leider ist die Rechnung falsch. Hier wird angenommen, dass man für die Kosten eines durchschnittlichen Spielscheins eine einzige Gewinnchance hat. Man hat aber für diesen Preis mehrere Felder und nimmt an mehreren Ziehungen teil. Die Chance ist also grob einen Faktor 6 höher. Damit bleibt man dann wohl eher in Europa.
Ändert aber nix an der Aussage, dass Lottospielen eine Deppensteuer ist.
Und „Die Behauptung, es bestehe die Möglichkeit, sich für den Einsatz eines geringen Betrags die Chance auf verrückt viel Geld erkaufen zu können, ist wohl nur deswegen keine Täuschung über Tatsachen (§ 263 StGB), weil die Landeslotteriegesellschaften staatliche Unternehmen sind.“ stimmt auch nicht. Die Chance ist verschwindend gering, aber sie ist da. Es gibt jedes Jahr einige Gewinner die das beweisen. (Wenn hier nicht die Verschwörungstheorie verbreitet werden soll dass diese gar keine wirklichen Gewinner sind sondern vom Establishment auf Grund von Beziehungen ausgewählt werden)
Auch das ändert natürlich nichts am Thema „Deppensteuer“.
Gruß
Willi
Also die ganze Argumentation ist… nicht wirklich zielführend.
Erstmal ist irreführend (ja, ich weiss, judex non calculat :-)) auf der Kostenseite 6 Tipps (= 12 EUR (Durchschnitts)einsatz) zu nehmen, für die Gewinnchance dann aber nur die für einen Tipp. Die Gewinnwahrscheinlichkeit für die 87 M EUR liegt also bei 6 : 140M (nicht 1 : 140 M). Oder anders: Für 2 EUR erkauft man sich eine Chance, dafür gibt’s beim Asiaten dann doch etwas weniger zu Essen :-).
Dazu kauft man sich mit einem Tipp nicht nur eine Gewinnchance, sondern mehrere – schließlich gibt es nicht nur bei 5+2 Richtigen was zu gewinnen, sondern bis runter zu 2+1. Die Chance, überahut etwas zu gewinnen, liegt insgesamt bei ca. 3,15% – ist dann doch schon etwas mehr ;-).
Was natürlich nichts daran ändert, dass das Kosten-Nutzen Verhältnis relativ schlecht ist. Dafür muss man aber auf den Erwartungswert gucken (und dann in Bezug zum Preis stellen), und nicht einfach auf Wahrscheinlichkeiten.
Was wiederum nichts daran ändert, dass man das allgemein wohl weiss und jetzt kein Geheimnis ist. Von daher ist der Vorwurf der Täuschung auch Unsinn.
Was nochmals nichts daran ändert, dass es solche Gewinne gibt und die einen halt auch sehr glücklich machen können (wenn man denn Gewinnt).
Erwartungswert und Eintrittswahrscheinlichkeit sind dann halt doch nicht alles, übrigen auch umgekehrt: Es gibt ja durchaus Versicherungen, die sich statistisch nicht unbedingt rechnen, die man aber doch lieber abschliesst, weil wenn dann doch was passiert das Resultat so schlimm wäre.
Zum Thema „Deppensteuer“: Klar ist der Erwartungswert des Lottogewinns (deutlich) geringer als der Einsatz, von daher ist es aus statistischen Gründen nicht sehr klug, Lotto zu spielen.
Dennoch spielen durchaus auch Leute Lotto, die sich dessen bewusst sind. Und zwar mit der (durchaus rationalen) Argumentation: Ob ich 12 € pro Woche für Tippscheine ausgebe oder nicht, verändert mein Leben nicht. Der, wenn auch extrem unwahrscheinliche, aber doch immerhin mögliche Lottogewinn würde das Leben aber verändern.
Ich bin gehöre aber auch zu der Sorte Mensch, die sich lieber die immerhin gut 600 € pro Jahr (so hört es sich direkt signifikanter an als 12 € pro Woche) sparen.
Ich hatte mal eine Freundin, die mir erklärt hat, dass die wöchentlich 10 oder 12 € kein verlorenes Geld seien, sondern der Preis für Spaß, Unterhaltung und Träumerei.
Wie ein Kinoticket also.
(Ich selbst spiele deshalb nicht, weil ich bei all den verschiedenen Lottospielen nicht mehr durchblicke. Ich hätte Angst, dass ich gar nicht mitbekomme, wenn ich etwas gewonnen habe.)
@ RA Andreas Moser:
Deshalb spiele ich, wenn ich mal spiele (sporadisch), eigentlich nur noch online Lotto :-).