Rechtsanwalt Hoenig

Das Weblog des Strafverteidigers

1. Juni 2026

Viel Bier trinkende Lottospieler

Es darf ja mal geträumt werden … vom Reichtum, ohne sich dafür krumm gemacht zu haben.

Verstorbene Verwandte sind eher selten eine Ursache für Vermögen ohne Arbeit.

Aber es gibt Alternativen – zum Beispiel den Eurojackpot. Nächsten Dienstag im Jackpot: 87 Millionen, es waren aber auch schon einmal 120 Millionen Euro.

Das gibt es aber nicht ganz umsonst:

  • Ein Tippfeld mit 5 Zahlen und 2 Eurozahlen kostet 2 € zuzüglich der jeweiligen Bearbeitungsgebühr der Landeslotteriegesellschaft pro Spielschein

verlautbaren die Spielregeln auf Lotto.de. Die befragte KI teilt mir auf meine Frage mit:

  • Der Mindesteinsatz liegt bei 4 € pro Woche (1 Tipp je Ziehung × 2 Ziehungen), ein typischer Gelegenheitsspieler dürfte irgendwo zwischen 4 und 20 € landen.

Wenn ich hier von durchschnittlich 12 Euro pro Tippschein ausgehe, werde ich wohl nicht daneben liegen. 12 Euro zahle ich auch bei meinem Lieblings-Asiaten für ein gesundes Business-Lunch und bin danach angenehm satt.

Welche Leistung bekommt der Lottospieler? Für den Einsatz dieser 12 Euro erkauft er sich die Chance, 80 bis 120 Millionen Euro auf sein Konto zu bekommen. Das scheint im Dunkeln betrachtet ein faires Angebot zu sein.

Aber schauen wir uns das mal bei Lichte an.

Die Lottospielanbieter geben (weil es gesetzlich vorgeschrieben ist) kleingedruckt die Chance an, verrückt viel Geld zu bekommen:

1 : 140 Millionen.

Was bedeutet das?

Eine Bierdose dürfte jeder Glücksspieler schon mal gesehen haben. Die hat einen Durchmesser von 66 mm. Angenommen, ein sehr durstiger Mensch trinkt 140 Millionen Dosen Bier; nur die letzte schafft er nicht mehr, sie bleibt fast ganz voll.

Wenn er jetzt diese Dosen in einer Reihe aufstellt, die erste am Neuköllner Hermannplatz, dann steht die letzte irgendwo zwischen Bangkok und Singapur (66 mm x 140 Mio = 9.240 km).

Wenn er jetzt wieder Durst bekommt und die noch fast volle Dose sucht, die er irgendwo zwischen Neukölln und Singapur hingestellt hat, aber nicht mehr weiß, wo genau: Wie groß wird seine Chance sein, sie wiederzufinden?

Ich kann es Euch ganz genau sagen: Die Chance ist exakt so groß, wie für den Einsatz in Höhe von 12 Euro den Gewinn 87 Millionen Euro zu bekommen.

Die Idee, 12 Euro für ein Mittagessen auszugeben oder auch in einen Kreuzberger Gulli zu werfen, erscheint mir deutlich sinnvoller zu sein, als diesen Betrag zu einer Lotto-Annahmestelle zu tragen.

Um doch noch die Kurve ins Strafrecht zu bekommen:

Die Behauptung, es bestehe die Möglichkeit, sich für den Einsatz eines geringen Betrags die Chance auf verrückt viel Geld erkaufen zu können, ist wohl nur deswegen keine Täuschung über Tatsachen (§ 263 StGB), weil die Landeslotteriegesellschaften staatliche Unternehmen sind. Und das können per definitionem keine Betrüger sein. Oder?

3 Kommentare

  • Gerd Oichnixohn sagt:

    Lotto ist eine Steuer auf Leute, die schlecht in Mathe sind. Wusste schon Ambrose Bierce im 19. Jahrhundert.

  • Tux2000 sagt:

    @Gerd: Genau das hab ich einem Lotterie-Verkäufer mal an den Kopf geknallt, als der mir am Postschalter(!) irgendwelchen Lotto-Sch…ß verkaufen wollte. Hat ihn komplett aus der Spur geworfen, und unmittelbar zur Einsicht geführt, dass ich kein Lotto-Opfer werde.

  • Nicolai Mass sagt:

    Wenn 140 Millionen Bierdosen hintereinander von Berlin-Neukölln bis irgendwo zwischen Bangkok und Singapur reichen, dann entspricht dieselbe Strecke ungefähr 23,1 Millionen Rinderfilets oder 108,7 Millionen Austern.

    Anders gesagt: Der Mann hat nicht nur Bier getrunken — er hat logistisch betrachtet eine Fleischtheke von Berlin bis Südostasien und eine Austernbar mit dreistelliger Millionenbestückung eröffnet. Die letzte Dose war dann vermutlich nicht mehr das Problem, sondern die Beilage.

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